Ein aus gegebenem Anlass notwendiger Buchhinweis … (2/2)

Der Multikulti-Irrtum von Seyran Ates
Ullstein Taschenbuch (2008), Taschenbuch, 288 Seiten

Auch gegen sie wurde eine Fatwa ausgesprochen; hier ein Artikel von Ihr in der ZEIT, wo sie Abdel-Samad neues Buch bespricht:

IslamismusUnser Reizwort

Es gibt radikale Muslime, die die Weltherrschaft anstreben. Deshalb ist es richtig, wenn Hamed Abdel-Samad vom islamischen Faschismus spricht. von Seyran Ates

Schon wieder ein Buch, das den Islam verunglimpft? Ja, werden diejenigen sagen, die Hamed Abdel-Samad zum Abschuss freigegeben haben. Gleich auf mehreren Webseiten wird nach wie vor sein Tod gefordert, nachdem im letzten Jahr in einer Talkrunde des salafistischen TV-Senders Al-Hafes mehrere Gelehrte seinen Fall diskutierten. „Es ist klar, dass Leute wie er den Islam beleidigen und den Tod verdienen“, sagte Scheich Assem Abdel Meguid. Es gab aber auch besonnenere Talkgäste, die das Gelehrtengremium der Al-Azhar-Universität in Kairo befragen wollten. Der Fall Abdel-Samad, wie sämtliche ähnlichen Fälle, betrifft die Frage, wer den Islam definieren darf.

Für Salafisten und Muslimbrüder wird das Buch nur ein weiterer Beweis sein, dass dieser Autor getötet werden muss. Denn das Töten Andersdenkender ist einer der Grundpfeiler des islamischen Faschismus. Ob Taliban, Al-Kaida, Hamas, Muslimbrüder – sie stehen für weltweite Terroranschläge oder zumindest für deren Rechtfertigung. Und sie terrorisieren nicht nur den Westen und die Ungläubigen, sondern verlangen uneingeschränkte Gefolgschaft in ihren Herrschaftsgebieten. Für die Taliban ist sogar eine Kinderrechtsaktivistin wie die 16-jährige Malala Yousafzai aus Pakistan, die Bildung (auch) für Mädchen fordert, eine Gefahr. Sie überlebte nur knapp einen Kopfschuss, verübt von einem Taliban.

Dass Abdel-Samads Mutter ihren Sohn bat, sein Buch nicht zu veröffentlichen: Ich kann ihre Sorge nachfühlen. Meine Mutter hat jedes Mal Angst, wenn ich als muslimische Frauenrechtlerin öffentlich meine Meinung sage. Sie pflegt mich zu mahnen: „Kind, es ist gut, dass du kritisch bist, aber sag nichts gegen den Islam. Ich habe Angst, dass sie dich töten.“ Unsere Mütter wissen, für die militanten Islamisten gibt es keine andere Lösung, als alle Kritiker auszulöschen – bis die Weltherrschaft erlangt ist. Sie diskutieren nicht über Gott und Gesetz. Faradsch Fauda, ein ägyptischer religionskritischer Aktivist, wurde am 7. Juni 1992 von Angehörigen der Gruppe Dschamaa islamija ermordet. Bei dem Prozess gegen Faudas Mörder soll der bedeutende Azhar-Gelehrte Mohammed al-Ghasali als Zeuge vor Gericht gesagt haben: „Derjenige, der öffentlich gegen die Durchsetzung der Scharia Gottes spricht, ist ein Ungläubiger, ein Apostat. Es ist eine Pflicht, ihn zu töten. Den Täter darf man nicht bestrafen.“

Dasselbe sprach aus vielen Hass-E-Mails, die ich nach Erscheinen meines Buches Der Islam braucht eine sexuelle Revolution bekam. Dort klang es nur brutaler: „Hör auf, den Islam in den Mund zu nehmen, du Schlampe, du Hure, sonst kommen wir und schießen dir eine Kugel in den Kopf!“ In einer E-Mail malte sich jemand aus, welch ein Genuss es sein müsste, auf meine Leiche zu spucken. Alle Absender bezeichneten sich als Gläubige. Mir wurde auf Deutsch und auf Türkisch gedroht.

Bedauerlicherweise finden sich auch in Deutschland Muslime, die Ungläubige (darunter fallen auch „schlechte“ Muslime) töten wollen und von einer islamischen Weltherrschaft träumen. Erst kürzlich erklärte mir ein türkischer Salafist, dass er sich nicht einbürgern lassen wolle, weil er die Demokratie ablehne. Seine salafistische Gruppe wolle, dass das islamische Recht eines Tages in Deutschland gelte. Solche radikalen Muslime sind hierzulande nicht mehrheitsfähig, aber eine wachsende Minderheit. Wenn ich mir die Biografien anschaue, dann wundert es mich nicht, dass einige in einer extremistischen Gruppe Zuflucht suchen. Oft haben sie Ausgrenzungserfahrungen und fühlen sich von „den Deutschen“ nicht respektiert. Für die, die nach Anerkennung dürsten, sind charismatische Religionsführer wie eine Wasserquelle in der Wüste. Sie hören es gern, wenn man ihnen predigt, dass sie „wertvollere“ Menschen sind.

Ist das islamischer Faschismus? Darf man es so nennen? Hamed Abdel-Samad nennt es so, weil er die Grundmuster des Faschismus auch bei den Islamisten wiederentdeckt. Ich sehe es nicht anders. Der Islamismus ist der Faschismus unserer Zeit.

Abdel-Samad war selbst Muslimbruder und weiß, die vom Westen als moderate Islamisten bezeichneten Brüder sind nicht harmlos. Er zitiert ihr Motto: „Der Prophet ist unser Anführer, der Koran ist unsere Verfassung, der Dschihad ist unser Weg, und das Sterben für Allah ist unser höchstes Ziel.“ Feinde der Moderne und der Aufklärung werden das Buch Abdel-Samads als Hetze gegen den Islam bezeichnen. Doch dieses Buch ist kein Buch gegen den Islam, sondern für Demokratie und Religionsfreiheit. Es ist ein Buch gegen den Faschismus im Namen Allahs.

Was macht den Islamismus attraktiv? Er zeigt den einzig „wahren“ Weg durch unsere unübersichtliche Welt. Es ist ein Weg jenseits von Selbstbestimmung, fernab von Menschenrechten. Der Gottesglaube ist dabei eine Krücke und Allah ein unanfechtbares Idol. So wird Religion zur Ideologie. So entsteht in unserer postideologischen Epoche ein neues totalitäres Denken.

Ja, es gibt ihn, den islamischen Faschismus. Denn es gibt Muslime, die bereit sind, für ihre Idee von Allah zu töten und selber zu sterben. Im September 2013 wurde bei einem Treffen ultrakonservativer Salafisten in Dortmund zum bewaffneten Kampf gegen Christen aufgerufen. Der Prediger Abu Abdullah forderte die jungen Männer auf, Schule oder Studium abzubrechen, um in den Krieg zu ziehen. Denn der muslimische Faschist glaubt, wer unwertes Leben auslöscht, begeht keine Sünde, sondern erfüllt seine religiöse Pflicht. Als Beleg dienen ihm viele Stellen im Koran, besonders die Sure 2:191: „Und tötet sie, wo (immer) ihr sie (die Ungläubigen) zu fassen bekommt.“

Was können wir gegen den islamischen Faschismus tun? Hamed Abdel-Samad schreibt: „Die Mehrheit der in Europa lebenden Muslime ist apolitisch. Sie pauschal als potenzielle Terroristen anzusehen, wäre eine Gefahr für den Frieden.“ Aber genau diese schweigende Mehrheit der Muslime ist nun gefragt. Sie hat es in der Hand, den Extremisten etwas entgegenzusetzen. Hamed Abdel-Samad bedauert, dass sie sich kaum mobilisieren lässt. Das ist auch meine Erfahrung. Liberale Muslime sind zum Beispiel in der Deutschen Islamkonferenz nicht mehr vertreten. Was tun? Die Politik muss aufhören, sich auf konservative Verbände zu konzentrieren. Die säkularen Muslime müssen sich endlich organisieren. Und wir alle müssen wachsam sein, um nicht noch mehr Kinder an den islamischen Faschismus zu verlieren.

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Und dazu ein ergänzender Kommentar der EMMA, die nicht gerade das Vorurteil begleitet „biblisch-fromm“ zu sein, und die schon 2006 deutliche Worte fand – auch gegen die ZEIT, die damals die islamistischen Gegner von Seyran Ates et al zu Wort kommen lies …:

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