„Klug werden“ – oder: Die Sorgen des 35. Evangelischen Kirchentag

Damit wir klug werden“ (Psalm 90) – Motto des 35. „Deutschen Evangelischen Kirchentages“

  • Ja, ich gebe zu, dass Birgit Kelle meine „Freundin“ auf FB ist …
  • Nein, ich bin kein Leser der „Jungen Freiheit“ …

Darum habe ich mir das Programmheft des Evangelischen Kirchentages selbst heruntergeladen (und nicht dem Post bei Birgit Kelle geglaubt):

Und tatsächlich gibt es sie in diesem Dokument, die „Anwältinnen“ (und Anwälte), aber auch die  „Saalmikrofoninnen“ (und Mikrofene).

Kirchentag

Unter der Überschrift, „Mitreden – der Kirchentag als Diskussionsplattform“ kann man lesen:

„Die Teilnehmenden des Kirchentages sind eingeladen, mitzureden
und ihre Meinung deutlich zu machen: über Anwältinnen und Anwälte
des Publikums und über Saalmikrofoninnen und -mikrofone, durch
lebendige Abstimmungen, bei Planspielen, in Workshops, in World-
Cafés, bei Facebook, Twitter und Co.“ (Programmheft, Seite 12)

Na, da bin ich aber froh, dass man sich in der EKD endlich mal um die „zentralen Anliegen des Evangeliums“ kümmert: mitreden können und zwar über weibliche Mikrofone …

Unter der Rubrik „Programm im Überblick“ findet sich im Programmheft auf Seite 18 die Eröffnungs- und Schlußveranstaltung („Anfang und Ende“ genannt), sozusagen dass, was den Veranstaltern zentral wichtig ist:

Gedenken zu Beginn
Das Unrecht der Verfolgung gleichgeschlechtlich liebender Menschen im
Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit scheint fast vergessen.
Das Gedenken daran soll ein deutliches, nachdenkliches und nachwirkendes
Zeichen setzen – für die Akzeptanz menschlicher Vielfalt in Kirche und Gesellschaft.“

Nun mag es sinnvoll sein, dass das Unrecht des „Dritten Reiches“ auf einem Kirchentag zur Sprache kommt. Interessant ist nur, dass aktuelles Unrecht 2015, nämlich die Verfolgung der „Brüderinnnen und Brüder“ (upps) weltweit auf diesem Kirchentag nicht zur Sprache kommt.

Wer das Wort „Verfolgung“ in die Suchfunktion der pdf des Programmheftes eingibt, wird über das Thema der „Verfolgung gleichgeschlechtlich liebender“ hinaus nicht fündig. Mein pdf-reader sagte, „Dokument wurde durchsucht. Keine weiteren Treffer“.

Das pro-medienmagazin fand im Programmheft 49 Termine mit „Regenbogen“-Themen. Wenn das nicht eine Schwerpunktverschiebung einer Kirche ist, die sich noch immer „Evangelisch“ nennt (also eine „gute Nachricht“ hätte / haben müsste) und gem. dem eigenen Motto „ klug werden“ möchte …

Lesenswerte Links:

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