01.07.2015: Sir Nicholas Winton verstorben!

2011 hörte ich durch eine Veranstaltung mit Tom Graumann (einem der letzten überlebenden Kinder, welches durch die „letzten Züge aus Prag“ vor den Nazis gerettet wurde), zum ersten Mal von Nicholas Winton dem „britischen Schindler“.

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2012 hatte Tom Graumann im Münchener Umland von seiner „zweifachen“ Rettung berichtet. Auch im Jugendzentrum und Gymnasium in Unterschleißheim hielt er einen beeindruckenden Vortrag über seine Rettung von den Nazis und einer ganz anders gearteten, Jahre später ….

  • Am 01.07.2015 ist sein „Retter“ im Alter von 106 Jahren gestorben.

Hier das zu Herzen gehende Video, als die „Kinder“ Ihren Retter Dank darbrachten und er selbst zu Tränen gerührt war (bis kurz vor diesem Zusammentreffen hatte Winton seine Tat verheimlicht; man fand zufällig die Adressenlisten der Kinder auf seinem Dachboden):

In dem 15 minütige Video (Link, siehe unten) lautet der letzte Satz von Winton:

  • „… terrible responsibility, isn’t it“?

Der Mann, der mehr als 660 Kinder rettete

Der Brite Sir Nicholas Winton, der 660 jüdische Kinder aus der Tschechoslowakei vor dem Holocaust rettete, ist im Alter von 106 Jahren gestorben. Er sei am Mittwochmorgen im Beisein seiner Tochter Barbara friedlich eingeschlafen, teilte der Rotary Club in Maidenhead bei London mit, dessen Mitglied er seit 1959 war.

Winton hatte unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs acht Züge für jüdische Kinder aus Prag nach London organisiert. Er war im Dezember 1938 auf dem Weg in den Skiurlaub, als ihn ein Hilferuf aus Prag erreichte. Spontan entschloss er sich, zu helfen. Er trieb die Garantiesumme von 50 Pfund pro Kind auf – heute wären das etwa 3500 Euro. Der Börsenmakler suchte unermüdlich Pflegefamilien in Großbritannien. „Wenn es nicht unmöglich ist, dann gibt es einen Weg“, wurde zu seinem Lebensmotto.
Die Tschechoslowakei war auf Betreiben von Nazi-Deutschland nach dem Münchner Abkommen vom Herbst 1938 auf einen Rumpfstaat um die Hauptstadt Prag herum geschrumpft (hier mehr dazu) . Nach der von NS-Diktator Adolf Hitler befohlenen „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ marschierte die deutsche Wehrmacht Mitte März 1939 in Prag ein . Die Nazis errichteten ein brutales Besatzungsregime und nannten Tschechien nurmehr „Böhmen und Mähren“.

Winton machte trotz der deutschen Invasion weiter. Acht Züge mit 669 tschechischen Kindern erreichten sicher London. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs duldete das Nazi-Regime die Transporte. Doch der letzte und größte Zug durfte Prag am Tag des Kriegsbeginns nicht mehr verlassen. Heute geht man davon aus, dass die meisten der 250 Kinder an Bord im Konzentrationslager starben.
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Er sei nur „am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen“, sagte er einmal. Jahrzehntelang hatte er kein Aufhebens um die Rettungsaktion gemacht. Erst im Jahr 1988 machte eine britische Fernsehsendung die Geschichte der Kindertransporte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Vorigen Oktober noch nahm Winton persönlich in Prag die höchste tschechische Auszeichnung, den Orden des Weißen Löwen, entgegen.
Wegen der Rettungsaktion wurde Winton auch der „britische Schindler“ genannt. Doch der Vergleich mit dem Industriellen missfiel dem bescheidenen Mann. Der frühere Börsenmakler, der von deutsch-jüdischen Einwanderern abstammte, war am 19. Mai 1909 in London geboren worden.

Quelle:

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