Umstrittene Missionierung Der Kampf um die Flüchtlingsseelen

Bibel | Bild: Bayerischer Rundfunk Gestern im BR: ein 6-minütiger Bericht über die Flüchtlingsarbeit und den Beitrag von Christen, die – das ist doch unerhört … – den Flüchtlingen das Evangelium weitersagen!

Darf man nur helfen, wenn man im Deutschkurs „neutral“ arbeitet, oder darf es auch ein Bibeltext sein? Viele junge Männer sitzen den ganzen Tag im Heim und haben nichts zu tun. Ein wöchentlich stattfindendender (politisch-korrekter) Deutschkurs kann zur Integration nicht ausreichen.

Die krampfhafte Verdrängung religiöser Themen ist ein unnötiges Problem im Bemühen um Hilfe und Integration. Muslime haben – anders als nominelle Christen im Westen – überhaupt keine Berührungsängste mit Bibel und Glauben. Im Gegenteil: es ist Ihnen wichtig, darüber zu reden. Und wenn der „Helfer“ seinerseits überzeugter Christ ist: muss er dann schweigen, über das was ihn motviiert und antreibt?

Integration bedeutet, sich mit den Auffassungen hierzulande auseinander zu setzen. Dazu gehört neben dem westlichen Humanismus auch das Evangelium als kulturprägende Kraft. Christen die diese Arbeit machen, sollten andere Religionen fair behandeln, ihre eigene Grundlagen offen darlegen und fröhlich ihren Glauben bezeugen (dürfen).

Woran liegt es, dass in unserem Land auch in kirchlichen Kreisen eine selbstauferlegte Zurückhaltung in der „Gretchenfrage“ besteht, die dazu führt, dass laut BR-Text  „Mitarbeitern kirchlicher Hilfsorganisationen (…) die Verbreitung religiöser Botschaften oft ausdrücklich untersagt“ist! Haben die Amtsträger, die Ihren Titel, Beruf und Einkommen von Jesus Christus herleiten, seine letzten Worte vergessen?

Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. 19 Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, 20 und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters! (Matth 28,18-20)
Nachfolgende der unveränderte BR-Text und Link auf die Mediathek:

  • Von: Johannes Reichart und Christina Hertel
  • Stand: 04.05.2016 |Bildnachweis
  • Mediathek: Umstrittene Fürsorge: Wenn Helfer eine Mission haben

Die Amtskirchen sind beim Thema Missionierung von Flüchtlingen skeptisch. Mitarbeitern kirchlicher Hilfsorganisationen ist die Verbreitung religiöser Botschaften oft ausdrücklich untersagt. Evangelikale Freikirchen sind weniger zurückhaltend.

Freitagnachmittag, Wilhelm-Löhe-Kirche Fürth. Hier findet regelmäßig eine Teestunde für Flüchtlinge statt. Danach lädt Pfarrer Walter Drescher sie zur Andacht ein. Obwohl die meisten der Flüchtlinge muslimisch sind, nehmen viele daran teil. Manche überlegen sogar, zum Christentum zu konvertieren. Das Angebot sei freiwillig, sagt der Pfarrer, niemand werde gezwungen. Doch zu der Teestunde kommen auch evangelikale Missionare. Sie verteilen Bibeln und Broschüren über das Christentum auf Farsi und Arabisch.
Einer von ihnen ist Jürgen Grau, er arbeitet für den Arbeitskreis Migration und Integration der Deutschen Evangelischen Allianz. Das ist ein Netzwerk evangelischer Kirchen, darunter viele Freikirchen. In Gesprächen mit den Flüchtlingen betont Grau vor allem die Vorzüge des Christentums.

„In der Bibel muss man immer ehrlich sein, auch wenn es zum eigenen Nachteil geht. Im Koran ist das oft anders, dass man einfach ja, andere Religionen, auch Christen belügen kann. Und das sorgt selbst unter den eigenen Landsleuten für großes Misstrauen.“

Jürgen Grau vom Arbeitskreis Migration und Integration

So eine Art der Missionierung hält der Islambeauftragte der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Rainer Oechslen, für falsch. Zwar sei es in Ordnung, wenn Christen von ihrem Glauben erzählen, doch dabei dürfe keine andere Religion schlecht gemacht werden.

„Ich würde unbedingt darauf achten, dass man nicht bei diesen Bemühungen um die Flüchtlinge den Islam schlecht macht. Also eine Mission, die mit der Abwertung anderer Religionen einhergeht, ist meines Erachtens nicht zulässig.“

Rainer Oechslen

Zu diesem Grundsatz des gegenseitigen Respekts bekennt sich auch die Evangelische Allianz. Sie hat ein gemeinsames Dokument mit dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog und dem Ökumenischen Rat der Kirchen unterschrieben. Darin verpflichtet sie sich, „andere Glaubensrichtungen zu respektieren und sie niemals zu diffamieren, herabzuwürdigen oder falsch darzustellen.“ Trotzdem müsse man die Unterschiede deutlich heraus stellen, sagt Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz:

„Es geht nicht darum, dass wir irgendwelche Schwächen herausstellen, sondern dass wir eine saubere Analyse machen und dazu gehören natürlich Stärken und Schwächen. Ich würde mir wünschen, dass wir einen internationalen Werte-Wettbewerb starten und fragen: Hat jemand bessere Werte als die biblisch-christlichen, die uns von den zehn Geboten gegeben sind. Und dann sagen Sie mir mal, ob andere ähnlich gute Werte haben. Ich glaube, wir brauchen so einen Wertewettbewerb.“

Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz

Dass Anhänger von Freikirchen versuchen, Flüchtlinge zu missionieren, kommt nicht nur in Fürth vor. In Höhenkirchen-Siegertsbrunn und München sollen sie sich unerlaubt Zutritt zu Unterkünften verschafft haben. Auch in Pfaffenhofen und Rosenheim beobachten Helfer von sozialen Organisationen wie der Caritas solche Missionierungsversuche kritisch. In Würzburg bietet eine Gemeinde einen Deutschkurs für Flüchtlinge an. Im Unterrichtsmaterial stehen Sätze wie: „Ich muss in der Bibel lesen, wenn ich fest im Glauben stehen will.“

Der der Islambeauftragte der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Rainer Oechslen, hält diese Art des Deutschunterrichts für Manipulation und einen Missbrauch des Sprachkurses. Er warnt außerdem davor, dass mit dieser Missionierung das Verhältnis zum Islam aufs Spiel gesetzt werde.

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