Heiligsprechung der Seligen …

„Wer begreift, was der Herr will?“, so begann Papst Franziskus am 04.09.2016 seine Predigt zur Heiligsprechung der „seligen Mutter Theresa“ – Bibellesende Christen stehen damit unmittelbar vor der Frage, wie man einen Menschen „heilig sprechen“ kann, wenn man gleichzeitig nach „Gottes Willen“ als dem zentralen Thema fragt …

Offensichtlich muss der vom Pontifex erwähnte „Wille Gottes“ nicht notwendiger Weise mit dem in der Bibel beschriebenen identisch sein …; denn dort werden alle Christen als „Heilige“ angesprochen (sogar die Gemeinde in Korinth: „an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen„) und die Heraushebung einer gesonderten Elite ist nach den Worten des Meisters ausdrücklich verboten!

8 Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen! Denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, nämlich der im Himmel. 10 Lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus. (Matthäus 23,8-10)

So unbestritten vorbildhaft das Leben der mazedonisch-albanischen Friedensnobelpreisträgerin, des „Engels von Kalkutta“ auch war:

  • ihr unbestritten „gutes Leben“  – Papst Franziskus nennt sie die „großherzige Ausspenderin der göttlichen Barmherzigkeit“,
  • ihr Einsatz für den Schutz des menschlichen Lebens, „des ungeborenen wie des verlassenen und ausgesonderten“,
  • ihr Einsatz für die am Straßenrand Sterbenden,
  • Ihre „Mission in den Randzonen der Städte und den Randzonen des Lebens“, usw.

… dennoch qualifiziert all‘ das Sie nicht dazu, dass man von nun an zu Ihr beten darf, kann, oder gar sollte … – und nichts anderes bedeutet „Heiligsprechung“ nun mal! Nicht umsonst wird im heute aktualisierten wikipedia Ihre „Verehrungsstätte“ mit „Mutterhaus der Missionarinnen der Nächstenliebe“ angegeben …

Aber diese Differenzierung zwischen Respekt für Ihre Leistung bei gleichzeitiger Kritik der fehlgeleiteten (röm.-kath.) Theologie ist wahrscheinlich selbst unter Protestanten nur noch eine Frage des „Erkenntnisunterschiedes“ – jedenfalls nichts worüber es zu streiten gilt?

Trotzdem sei zum Abschluss auf die Demo „Marsch für das Leben“ am 17.09.2016 in Berlin verwiesen, die ganz im Sinne von Mutter Teresa gewesen wäre …:


 

Kurzbiografie Mutter Teresa (aus tagesschau.de)

Rund 20 Jahre nach ihrem Tod wurde Mutter Teresa heiliggesprochen. Die wichtigsten Stationen ihres Lebens im Überblick:

  • 1910: geboren am 26. August unter dem Namen Gonxha Agnes Bojaxhiu in Skopje (heutiges Mazedonien)
  • 1928: Eintritt als 18-Jährige in den jesuitennahen Orden der Loreto-Schwestern, Ausbildung als Missionarin
  • 1929: Beginn als Novizin im indischen Darjeeling als Schwester Teresa (zur Erinnerung an die Heilige Thérèse von Lisieux)
  • 1937: Ablegung des letzten Ordensgelübdes; nennt sich fortan Mutter Teresa
  • 1946: „göttliche Eingebung“ während der Zugfahrt von Kolkata nach Darjeeling und Entschluss, einen Missionsorden zu gründen
  • bis 1948: Lehrerin an der Schule ihres Ordens in Kolkata
  • 1950: Gründung des Frauenordens der Missionarinnen der Nächstenliebe
  • ab 1952: Eröffnung von Kinderhäusern und Hospizen
  • 1979: Verleihung des Friedensnobelspreises
  • 1997: Mutter Teresa gibt die Ordensleitung ab
  • 5. September 1997: Mutter Teresa stirbt
  • 2003: Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II.
  • 2016: Heiligsprechung durch Papst Johannes Franziskus.

(Quelle dpa)


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