Nah an der Bibel – nah am Menschen

oliverlastOliver Last
ist Leiter von cj-lernen.de und Jugendreferent der Christlichen Jugendpflege e.V. Er arbeitet im Ältestenteam der Gemeinde Werne mit.

Meine Traumgemeinde

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Ich werde meine Gemeinde bauen, sagt Jesus zu seinen Jüngern. In den Briefen des Neuen Testaments lesen wir, wie sich Gott Gemeinde vorgestellt hat. In der Kirchengeschichte sehen wir ganz unterschiedliche Formen von Gemeinde. Das stellt uns vor die Frage: Wie soll Gemeinde heute gelebt werden?

Ich habe einen Traum von Gemeinde. In diesem Traum kommt nicht vor, welche Musik gespielt wird. Dieser Traum hat nichts zu tun mit Gemeindeformen. Dieser Traum von Gemeinde ist, das wir Gemeinde so nah wie möglich an den biblischen Prinzipien und so nah wie möglich an den Menschen leben. Mein Traum beinhaltet, dass wir immer mehr so werden wie Jesus: er hat Gottes Willen ausgelebt und war dabei ganz nah dran an den Pharisäern, den Zöllnern, den Ehebrechern, den Reichen, den Menschen. Und mein Traum ist, dass wir immer mehr die Einstellung von Paulus gewinnen: er hat leidenschaftlich dafür gekämpft, dass Gottes Wahrheit gelebt wird und konnte dabei sagen: ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.

Nah an der Bibel

Die biblischen Prinzipien für Gemeinde sind beständig, unveränderbar und nicht verhandelbar. Die Vermittlung einer gesunden biblischen Lehre, das Brechen des Brotes zur Erinnerung an unseren Herrn, die gelebte Gemeinschaft und die gemeinsamen Gebete gehören genauso dazu wie die Leitung durch ein Ältestenteam, die Befähigung der Geschwister zum Dienst und der beständige Versuch, Menschen für Jesus zu gewinnen.

Für uns als Gemeinden ist es wichtig, dass wir diese zeitlosen biblischen Prinzipien in der Bibel identifizieren und sie konsequent leben und lehren.

Das ist gar nicht so einfach wie es sich im ersten Moment anhört. Durch 2.000 Jahre Kirchengeschichte haben sich viele Vorstellungen von Gemeinde entwickelt, und durch eigenes Erleben hat jeder von uns ein Bild von Gemeinde. Das führt zu der Gefahr, dass wir unsere Tradition mit der Bibel verwechseln.

Zudem sind wir alle beeinflusst durch gesellschaftliche Trends und theologischen Strömungen, die neu entstehen. Wir müssen uns auch dieser Beeinflussung bewusstwerden.

Weder Trend noch Tradition soll unsere Richtschnur sein, sondern allein die Wahrheit des Wortes Gottes. Dafür müssen wir sowohl um unsere Tradition als auch um die Trends wissen und immer wieder neu ringen um die Erkenntnis der biblischen Prinzipien.

Nah am Menschen

Während die biblischen Prinzipien beständig und unveränderbar sind, verändern wir Menschen uns ständig: unsere Lebensfragen, unser Denken, unsere Erfahrungen, unsere Kultur.

Bei Jesus und Paulus merkt man sehr deutlich, wie sie sich genau auf ihr Gegenüber eingestellt haben. Jesus tritt den religiösen Menschen z.B. sehr hart und deutlich entgegen: er findet klare Worte („Otternbrut!“) und handelt konsequent (er schmeißt z.B. die Tische im Tempel um). Bei den Zöllnern und Sündern verhält er sich ganz anders – annehmend und vergebend. Er ist bei ihren Treffen dabei, spricht liebevoll-deutlich mit der Ehebrecherin und lädt sich zum Essen bei Betrügern ein (Zachäus).

Paulus verkündet das Evangelium bei Juden und Griechen ganz anders und ist damit nah an den Menschen:

 

Antiochia (Apg. 13, 13-43) Athen (Apg. 17, 16-34)
Wem? Den Juden Den Griechen
Wo? In der Synagoge Auf dem Marktplatz
Wie?  Predigt in der SynagogeAnknüpfung an die Geschichte Israels

Belegt mit Bibelstellen

 Gespräch mit den PhilosophenAnknüpfung an die Gottesvorstellung der Griechen

Griechische Zitate als Hinführung

Was Das Evangelium wird verkündigt!

 

Auch für uns ist es von großer Bedeutung, dass wir nah am Menschen sind. Wir müssen biblisch begründete Antworten auf die Lebensfragen der Menschen liefern. Wir brauchen Formen, die biblisch verankert sind und den Menschen heute entsprechen. Paulus wusste, dass er den Griechen auf dem Marktplatz begegnen konnte und den Juden in den Synagogen. Er hat verstanden, dass er für die Juden bei der Geschichte Israels anknüpfen musste und bei den Griechen an ihrer Gottesvorstellung. Ich wünsche mir, dass auch wir verstehen, wie wir den Menschen in unserer Zeit begegnen müssen.

Die Gefahr dabei ist, dass wir den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Das kann z.B. dazu führen, dass wir Themen verschweigen, die anstößig sind.

Nah an der Bibel – nah am Menschen

Ich wünsche mir Gemeinden, die so nah wie möglich an der Bibel und so nah wie möglich an den Menschen sind.

Darin steckt eine Spannung. Wenn es Widersprüche gibt zwischen biblischen Prinzipien und der Nähe zum Menschen, dann müssen wir sie immer zugunsten der biblischen Prinzipien lösen und klare Standpunkte beziehen.

Aber wenn uns biblische Prinzipien Freiheiten lassen, dann sollten wir um der Verkündigung des Evangeliums willen immer die Nähe zum Menschen suchen.

Etablierte Gemeinden werden dabei stärker mit dem Problem ringen müssen, sich mit ihrer Tradition auseinanderzusetzen und sich der Vor- und Nachteile ihrer Prägung bewusst zu werden. Neue Gemeinden müssen sich stärker damit beschäftigen, sich mit den Trends zu beschäftigen und zu untersuchen, inwieweit diese von biblischen Prinzipien abweichen.

Egal ob etabliert oder neu – alle Gemeinden sollten danach ringen, so nah an der Bibel und so nah am Menschen wie möglich zu sein.

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