Kyai Haji Yahya Cholil Staquf …

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OK, man muss den Namen nicht kennen: aber Kyai Haji Yahya Cholil Staquf ist Islamgelehrter und Generalsekretär „der größten Muslim-Vereinigung Indonesiens“.

Barcellona_ramblas_2004_09
Barcellona, Ramblas

Gemäß der altehrwürdigen FAZ spricht er Klartext, was den islamistischen Terror betrifft: nach dem Terror von Barcelona veröffentlicht die FAZ am Sa. 19.08.2017 folgende Sätze von ihm:

  • es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen Fundamentalismus, Terror und Grundannahmen der islamischen Orthodoxie 
  • zu viele Muslime sehen die Zivilisation, das friedliche Zusammenleben von Menschen verschiedenen Glaubens, als etwas an, das bekämpft werden muss
  • der Westen muss aufhören, das Nachdenken über diese Fragen für islamophob zu erklären
  • Wir müssen dahin kommen, dass ein Verständnis, das die traditionellen Normen der islamischen Rechtslehre absolut setzt, als falsch gilt. Religiöse Werte und soziale Realität müssen zueinander passen. Und es muss glasklar sein, dass die staatlichen Gesetze Vorrang haben

Damit haben sowohl Muslime aus dem türkisch-arabischen Raum, als auch Linkspopulisten des Westens etwas zu verdauen!

Aber auch die, die immer sagen, der Islam solle ich vom Terror, der in seinem Namen verübt wird, distanzieren, müssen anerkennen:

  • hier spricht das Oberhaupt „der größten Muslim-Vereinigung Indonesiens“ (Nahdlatul Ulama); er vertritt demnach ca. 50 Mio. Indonesier!
  • das ist klar und eindeutig …

 

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Parallel wurde am Wochenende bekannt, dass der Rechtsaußen-Populist und Islamkritiker Michael Stürzenberger
wegen einem Facebook-Artikel, der auf einen SZ-Artikel antwortete, der den geschichtlichen Pakt von Vertretern des Islams mit Nazi-Deutschland darstellte, von einem deutschen Gericht zu 6 Monaten Haft verurteilt wurde. Er hatte „ein historisches Fotos gepostet“, das nach Auffassung der Richter „Hetze gegen den Islam“ darstellt“!

Zudem sei er der Verbreitung von „Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen“ für schuldig befunden worden, da auf dem Foto ein Hakenkreuz auf dem Ärmel der Nazigröße zu sehen war (hier nicht abgebildet, wegen Unsicherheit bzgl. Bildrechte- und Quelle) …

Der „flüchtige Betrachter“ könne in Facebook nicht erkennen, dass es sich um eine historische Aufarbeitung der Thematik handelte. Das bzgl. des „Freundschaftspakt“ auch in wikipedia.org viele ähnliche Bilder zu sehen sind, war anscheinend irrelevant:

Link auf wikipedia (gemeinfrei): „Deutsch-türkischer Freundschaftsvertrag“ (18.06.1941)

Stürzenbergers Auffassungen und PEGIDA-Auftritte dürfen und müssen an vielen Stellen zu Recht kritisiert werden:

  • aber was die Aufarbeitung eines historischen SZ-Artikels in einem Rechtsstreit verloren – und warum dass nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sein soll, muss man nicht verstehen …
  • zumal § 86 (3) StGB klarstellt, dass das Verbot „Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen“ zu zeigen, eben nicht gilt, wenn es „der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient“!

 

Dann doch lieber die Überzeugung des Generalsekretärs aus Indonesien

Portrait_-_Seyran_Ates
Seyran Ateş, 2008

verinnerlichen, die er mit der liberalen Muslima Seyran Ates teilt: dass der Westen endlich die Tatsachen erkennt und benennt, nämlich, dass es sehr wohl einen Zusammenhang zwischen „Fundamentalismus, Terror und Grundannahmen der islamischen Orthodoxie“ gibt.

 

Aber da muss man im Falle Seyran Ates mittlerweile Polizeischutz haben und darüber hinaus juristisch gut gewappnet sein? – Geht’s noch?!

 

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Die gesellschaftliche Atmosphäre passt gut zu einer Facebook-Diskussion, an der ich heute teilgenommen habe: es ging um einen Artikel von Seyran Ates in der WELT vom 19.08.2017: „Solche Attentate haben durchaus etwas mit dem Islam zu tun„:

  • ein offensichtlich muslimisch geprägte Mitdiskutant ließ als Kritik ggü. Seyran Ates verlauten: „IS hat nix mit dem Islam zu tun … Und die Frau macht sich Todfeinde“
  • das ist die Logik: IS hat nix mit dem Islam zu tun: aber die Dame mit der liberalen Moschee macht sich „Todfeinde“ … – Also: ist der Durchschnitts-Islam dem IS doch recht nahe; ihr Polizeischutz ist in dem Fall eine notwendige Konsequenz

Selbst, wenn die Kombination von nix und Todefeinde nur ein „Versprecher“ war, muss es zumindestens als eine Freud’sche Fehlleistung bezeichnet werden, die den Schnellschuß im Denken offenlegt …

 

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Wie anders ist doch da das Motto des Christentums – „Jesus in der Bergpredigt“:

43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind Fotolia_58621604_Subscription_Monthly_M.jpghassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? 47 Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? 48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.

Es wird Zeit, dieses Vorbild umzusetzen …

 

Quellen:

 

Bilder:

 

 

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