Matthäus 24 – ist, was Paulus „Entrückung“ nennt, hier im Fokus?

In Matthäus sind fünf Reden zentral:

  • Matth 5-7: Bergpredigt (Grundsätze des Reiches)
  • Matth 10: Aussendung der 12 Jünger
  • Matth 13: Gleichnisse vom Reich der Himmel
  • Matth 18: Verhalten der Gläubigen untereinander
  • Matth (23+) 24+25: Endzeitrede („Ölbergrede“)

Während drei der Reden sich klar im hier und jetzt des „Reiches Gottes“ (Matth 5-7 und Kap. 10) und der Gemeinde (Matth 18) bewegen, sind die „Himmelsreichgleichnisse“ (Matth 13) und besonders die „Ölbergrede“ (Matth 24-25) klar futuristisch. Matth 24,15 zitiert das apokalyptische Buch des AT:

„Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht – wer es liest, der merke auf! -, dann …“

Der Satz bei Daniel lautet (9,27):

„Und stark machen wird er einen Bund für die Vielen, eine Woche lang; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Und auf dem Flügel von Gräueln kommt ein Verwüster, bis fest beschlossene Vernichtung über den Verwüster ausgegossen wird.“ (Daniel 9,27; vgl. Dan 11,31 und 12,11)

Offensichtlich ist eine Dreigliederung in Daniel 9,27 zu erkennen:

  • ein „Bund für die Vielen“ über „eine Woche“ (vsstl. 7 Jahre?)
  • in der Mitte dieses Zeitraums geschieht etwas Bemerkenswertes: „zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen“ – dies teilt den Zeitraum in 2 Hälften
  • der Wendepunkt, der das Opfer aufhören lässt, scheint verbunden zu sein mit dem „Gräuel“ das „Verwüstung“ bewirkt und auch in Matthäus mit deutlichem Textmarker („wer es liest merke auf“!) wiederholt wird

Im Anhang findet sich ein Versuch diese Gliederung aus Daniel 9,27 mit den Formulierungen bei Matthäus synoptisch darzustellen:

  • Der Anfang der Wehen
  • Der Gräuel der Verwüstung
  • Die Große Drangsal
  • Die Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit

Entgegen mancher (manchmal berechtigten) Kritik an einer spekulativen Interpretation der 70 Jahrwochen bei Daniel, bleiben wir in diesem Artikel bei schlichten Textbeobachtungen, wenn wir den zentralen Verweis auf Daniel 9 und den „Gräuel der Verwüstung“ in den roten Faden bei Matthäus einzuordnen versuchen:


Zunächst ist unmittelbar nach dem Daniel-Zitat ein stark jüdischer und regionaler Bezug bei Matthäus zu beobachten:

„dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen; 17 wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um die Sachen aus seinem Haus zu holen; 18 und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen.“ (24,16-18)

„Betet aber, dass eure Flucht nicht im Winter geschieht noch am Sabbat! 21 Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird.“ (24,20-21)

Wie kann man diesen Text anders interpretieren, als dass er eine Relevanz für „jüdisches Leben“ beinhaltet?! – Das ist nicht das gleiche „Setting“, wie wenn der „Heidenapostel“ Paulus in seinen Briefen von „Entrückung“ und / oder Wiederkunft Christi spricht. Zu dieser Feststellung braucht es keine erzwungene Vorentscheidung in Richtung einer „dispensationalistischen“ Theologie …

Hauptteil:

Vor dem Hintergrund der stark jüdischen Konnotation, stellt sich für die Auslegung die Frage:

Wie passt das gezeichnete Bild und die Atmosphäre, die laut Jesu Worten vor Seiner Wiederkunft herrschen wird, in eine Situation, die sich +2.000 Jahre später in einem heidenchristlichen Kontext abspielt? Kann man das für heute einfach bildhaft „aktualisieren“? – Oder hat sich der Messias einfach geirrt …?

  • es geht um den jüdischen Tempel (24,1) der abgebrochen werden wird (24,2): dies geschah 70 n.Chr. – aber Jesus kam damals nicht wieder, wie manche behauptet haben
  • es geht um Judäa (24,17), und um den Sabbat (24,20)
  • das Gespräch findet auf dem Ölberg (mit Blick auf das imposante Tempelgebäude) statt (24,3); dort wird der Herr von den 12 gefragt:

„Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?“ (Matth 24,3)

Die zwei Fragen der Jünger: wann und wie (= was ist das Zeichen), sind die Reaktion auf die provokative Aussage Jesu (in Matth 24,2):

„Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“

Für die Jünger ist klar: wenn das passiert, dann ist „das Ende“ da (vgl. Joh 2,20: „… 46 Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, ….“) – darum: wann wird das sein und welche Zeichen werden dem vorausgehen?

  1. auf das „Wann“ der Jünger gibt es keine Antwort:
    • Außer in dem Nachwort (24,32ff) etwas „unscharf“ der Verweis auf den Feigenbaum
      • dem Nahe-Sein des „Sommers“ und der nicht vergehenden Generation / dem nicht vergehenden Geschlecht („Geschlecht, Generation, Zeit“, 24,34)
      • der Unbestimmtheit der Stunde (24,36)
      • gefolgt von 2 Bsp. in Verbindung mit der Ähnlichkeit zur „Zeit Noahs“ (Feld (24,40) / Mühlstein (24,41))
    • die lehrhafte Summe am Ende des Kapitels: der Abschluß der Passage (24,44) spielt im Sinne von „wann“ insofern darauf an, als dass es sagt „jederzeit“!

„Deshalb seid auch ihr bereit! Denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.“ (vgl. das Nachwort, wo nochmal auf das Verhalten in der „Zwischenzeit“ angespielt wird (24,46))

    • Die Sache mit dem Wachsein sein und der Unbestimmtheit „der Stunde“ wird auch in Kap. 25 aufgegriffen:
      • den beiden Gleichnissen in Matth 25: Jungfrauen (25,1ff) / Talente (25,14ff)
      • folgt das „Gericht der Nationen“ (25,32) – den Schafen und Böcken
  1. die Hinweise auf das „Wie“ sind hingegen sehr zahlreich:
    • ein Aspekt ist, dass falsche Christusse auftreten werden (24,4-5.11.23-24)
    • dann „Kriegen und Kriegsgerüchte“ (24,6-7a) = aber: noch nicht das Ende
    • dann „Hungersnöte und Erdbeben“ (24,7b) = „der Anfang (!) der Wehen“ (24,8)
    • dann Verfolgung (24,9-10), Hass von allen Völkern
    • dann viele falsche Propheten (24,11), Gesetzlosigkeit nimmt überhand (24,12)
    • Ausharren ist nötig (24,13) zur „Errettung“ (was bedeutet diese „Errettung“,
      im Vergleich zum christl. Evangelium? Errettung wovon / wozu?)
    • Vor „dem Ende“ wird das „Evangelium des Reiches“ gepredigt auf der ganzen Erde (24,14)

Zudem Hinweis auf die bereits o.g. jüdischen Elemente:

      • Gräuel der Verwüstung“ (24,15), mit Verweis auf Daniel (9,27; siehe unten)
      • konkreter Bezug auf Judäa auf die Berge fliehen; (24,16), warum regional?
      • gefolgt von weiteren prakt. Anweisungen: Dach (24,17), Feld (24,18), die Eile der Flucht betonend, oder auch – die Schwangeren (24,19) – die drängende Not
      • dann (wörtl.): „Betet aber, dass eure Flucht nicht im Winter geschehe noch am Sabbat!“ (24,20) > was hat der Sabbath mit der Entrückung der Gemeinde zu tun?
      • Erneuter Verweis auf „große Bedrängnis“, „wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird“ (24,21-22) > muss ja wohl die „Drangsal Jakobs“ des AT sein? vgl. Jer 30,7; Daniel 12,1 und Offb 7,14

Anschließend (24,23-24) warnt der Herr seine 12 Jünger vor falschen Christussen und falsche Propheten mit „große Zeichen und Wunder“ (vgl. 24,4-5.11.23-24). Wenn Er wiederkommt, wird es jedem klar sein, dass das jetzt „the real thing“ ist (24,30):

      • man braucht nicht in Gemächern und in der Wüste zu schauen (24,26)
      • Seine Wiederkunft wird so offensichtlich sein wie ein Blitz von Ost nach West (24,27)

„wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein“ (Matth 24,27)

      • Diese Ankunft ist öffentlich und hat nichts Geheimnisvolles einer „Entrückung“ …

Dann folgen kosmische Zeichen (immer noch sind wir beim „Wie“ wird die Ankunft sein?):

      • Sonne verfinstert / der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden (24,29)
      • und erst dann (!):

„…wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme der Erde, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit“ (Matth 24,30)

      • der nächste Vers spricht von der Sammlung seiner Auserwählten „von den vier Winden her“ (24,31) > wer ist das? Wirklich die heutigen Gläubigen? Wie passt das zur Lehre Paulus von einer Entrückung in einem Nu, in einem Augenblick (1Kor 15,52; vgl. 1Thess 4,13-18)?
  1. dem folgen die zarten Hinweise auf das „Wann“: siehe oben Nr. 1
  • Feigenbaum als Zeichen („Gleichnis“):

„Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und die Blätter hervortreibt, so erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.“ (24,32-34)

  • Die „Generation“ die (oder: das Volk („Geschlecht“) das den Anfang (= Blätter beim Feigenbaum) erleben wird, wird „nicht vergehen“ (= „nicht sterben“?), bis es geschehen ist (24,34); d.h. bis „der Sommer“ da ist
  • gefolgt von einer Autorisierung / Beteuerung (24,35) der Worte Jesu

Abschließend folgt nochmals eine Betonung der Plötzlichkeit (24,36-43), Unbekanntheit des Datums inkl. Radikalität der Trennung (bleiben / genommen, 24,40-41); sowie (als Nachwort), die Aufforderung zu einem entsprechenden Lebensstil bis dahin … (24,44-51)

Zusammenfassung:

Im Text kommt das Wort Entrückung nicht vor, auch inhaltlich geht es nicht darum: denn „Entrückung“ ist eine passive Geschichte für die Gläubigen (Gott holt sich seine Leute zu sich in den Himmel …); hier aber hier wird eine sehr hohe Aktivität der Jünger eingefordert:

  • in Verfolgung ausharren bis ans Ende (24,13), um errettet zu werden; bereit sein (44)
  • das Evangelium des Reiches auf der ganzen Erde predigen (24,14)
  • man soll in die Berge Judäas fliehen (24,16-19.20)

Entrückung hingegen geschieht „in einem Nu in einem Augenblick, …“

  • dem Herrn entgegen in die Luft (1Thess 4,17; wohl unsichtbar für die Bleibenden)
  • hier aber ist es: eine große politische Aktion, mit Krieg und Naturkatastrophen
  • und dann – nach kosmischen Erschütterungen – das Auftreten Christi „in Macht und Herrlichkeit“ für alle sichtbar (24,27)
Fragen
  1. Ist es gem. den o.g. Textmerkmalen nicht doch vernünftig in Matthäus 24 etwas anderes als die „Entrückung der Gemeinde“ zu sehen? Wie kann man den wichtigen Textmarker (in Matthäus 24,15) übersehen?! Wie kann Daniel 9,27 („mitten“ in Matthäus 24) anders verstanden werden, als in seinem natürlichen Wortsinn?
  2. Was haben Christen mit jüdischen Gebräuchen zu tun (Apg 15, Galaterbrief)? Ohne sich zu einer eschatologischen Auffassung zu verpflichten: wie werden die konkreten jüdischen Elemente (24,1-3.15.20) und die regionalen Verweise (Berge Judäa) mit dem universellen Charakter der Entrückung einer in Mehrzahl heidnischen Gemeinde (Kirche / Leib Christi) in aller Welt in Einklang gebracht, wenn nicht durch evtl. unterschiedliche heilsgeschichtliche Situationen?
  3. Sind die Begriffe bei Matthäus „wörtlich“ zu nehmen? Warum nicht? Was bedeuten sie denn, wenn man sie stattdessen „bildlich“ deutet? Wie passen die ggf. bildlich gewonnenen Bedeutungen mit der apostolischen Lehre von „Entrückung“ / Wiederkunft Jesu in den Paulusbriefen zusammen?
  4. Muss nicht die „große Bedrängnis“ (24,21-22; vgl. 24,9.29) – „wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird“ – mit der 2. Hälfte der 70. Jahrwoche Daniels verbunden werden und den auch an anderen Stellen bezeugten Drangsals-Zeit für Jakob (Jeremia 30,7; Daniel 12,1; Sacharja 12,2; Offenbarung 7,14)? – vgl. eine mögliche Zusammenschau im Anhang.


AT-Kontext
  • Dan 9,27 Und stark machen wird er einen Bund für die Vielen, eine Woche lang; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören Und auf dem Flügel von Gräueln kommt ein Verwüster, bis fest beschlossene Vernichtung über den Verwüster ausgegossen wird.
  • Dan 11,31 Und Streitkräfte von ihm werden dastehen; und sie werden das Heiligtum, die Bergfeste entweihen und werden das regelmäßige Opfer abschaffen und den verwüstenden Gräuel aufstellen.
  • Dan 12,11 Und von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft wird, um den verwüstenden Gräuel einzusetzen, sind es 1 290 Tage.

Bibeltext REÜ: https://www.bibleserver.com/ELB/Matth%C3%A4us24

Endzeitrede: Tempelzerstörung und Bedrängnis der Endzeit

Und Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg; und seine Jünger traten zu ⟨ihm⟩, um ihn auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen. 2 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird. – 3 Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters? 4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch niemand verführt! 5 Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen. 6 Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. 7 Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein. 8 Alles dies aber ist der Anfang der Wehen. 9 Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen. 10 Und dann werden viele zu Fall kommen und werden einander überliefern und einander hassen; 11 und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen; 12 und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; 13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. 14 Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen. 15 Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht – wer es liest, der merke auf! –, 16 dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen; 17 wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um die ⟨Sachen⟩ aus seinem Haus zu holen; 18 und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. 19 Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! 20 Betet aber, dass eure Flucht nicht im Winter geschieht noch am Sabbat! 21 Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. 22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. 23 Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus, oder dort! so glaubt es nicht! 24 Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. 25 Siehe, ich habe es euch vorhergesagt. 26 Wenn sie nun zu euch sagen: Siehe, er ist in der Wüste! so geht nicht hinaus! Siehe, in den Kammern! so glaubt es nicht! 27 Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. 28 Wo das Aas ist, da werden sich die Adler versammeln.

Endzeitrede: Ankunft des Menschensohnes

29 Aber gleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. 30 Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme der Erde, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. 31 Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.

Endzeitrede: Ermahnung zur Wachsamkeit

32 Von dem Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und die Blätter hervortreibt, so erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist. 33 So sollt auch ihr, wenn ihr dies alles seht, erkennen, dass es nahe an der Tür ist. 34 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist. 35 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber sollen nicht vergehen. 36 Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein. 37 Aber wie die Tage Noahs ⟨waren⟩, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. 38 Denn wie sie in jenen Tagen vor der Flut waren: – sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging 39 und sie es nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte –, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. 40 Dann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird genommen und einer gelassen; 41 zwei ⟨Frauen⟩ werden an dem Mühlstein mahlen, eine wird genommen und eine gelassen. 42 Wacht also! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. 43 Das aber erkennt: Wenn der Hausherr gewusst hätte, in welcher Wache der Dieb kommt, so hätte er wohl gewacht und nicht zugelassen, dass in sein Haus eingebrochen wird. 44 Deshalb seid auch ihr bereit! Denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.

Endzeitrede: Gleichnis vom treuen und untreuen Knecht

45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über seine Dienerschaft gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit? 46 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird! 47 Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen. 48 Wenn aber jener ⟨als⟩ böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt auf sich warten, 49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und isst und trinkt mit den Betrunkenen, 50 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, 51 und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil festsetzen bei den Heuchlern; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.