Timothy Keller, Center Church – Kirche in der Stadt. Worms: pulsmedien: 2015. timothy_keller_edit392 S. Hardcover: 34,95 €. ISBN: 978-3-939577-25-6.

Das großformatige (19 x 24 cm) und umfangreiche Buch (zweispaltig in kleiner Schrift gedruckt, keine Bilder) schreckt zunächst ab. Wenn man aber die vier Vorworte bewältigt hat und die Einleitung, in welcher der Autor seine Grundüberzeugung erklärt, stößt man auf einen reichen Schatz: das Evangelium. 56 Seiten in sechs Kapiteln verwendet Keller, um gründlich das Evangelium zu erklären, die Voraussetzung für alles Weitere. Es geht einem das Herz dabei auf.

Keller spricht in diesem ersten Teil „Evangelium“ alle wesentlichen Dinge an, auch Erweckung und die Kritik daran. Sehr deutlich wird der Unterschied zur Gesetzlichkeit. Übrigens vergisst Keller auch den Zorn Gottes nicht, der unbedingt dazu gehört, wenn man das Evangelium richtig verstehen will.

Im zweiten Hauptteil „Stadt“ erklärt Keller die häufig falsch verstandene Kontextualisierung und ihre Gefahren, dann aber auch, was biblische Kontextualisierung bedeutet und wie wichtig sie für jede Art von Evangelisation ist. Dabei spielt auch das umstrittene Thema Kultur eine große Rolle. Der Verfasser stellt vier Modelle von Christen und Kultur vor und zeigt anschließend die Probleme mit diesen Modellen. Es folgt ein Test dieser Modelle an der Bibel und sein eigener ausgewogener Vorschlag.

Im dritten Hauptteil „Bewegung“ greift der Autor wieder einen umstrittenen Begriff auf, seine Herkunft und Missdeutung, aber auch seine biblische Bedeutung für die Praxis. Der Grundgedanke des Missionalen wird ja von vielen konservativen Evangelikalen abgelehnt, weil er zu nah an der Emerging Church und der ökumenischen Bewegung ist. Keller zeigt die Irrwege aber auch die echten Kennzeichen missionaler Gemeinden und erklärt, wie ein missionaler Lebensstil im biblischen Sinn aussieht. Schließlich zeigt er die Gemeinde als lebendigen Organismus, aber auch als Institution.

Dem Text von Keller schließt sich ein Ergänzungsteil von Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die Hintergründe der europäischen nachchristlichen Kultur beschreiben und ihre Konsequenzen für die Freikirchen, sowie die kontextuellen Gegebenheiten in Österreich und der Schweiz und ein Beispiel aus Berlin.

Keller zeigt insgesamt überzeugend, wie Gottesdienst, Gemeinschaft, soziale Arbeit und die Integration des Glaubens in säkulare Berufe zusammenwirken können.

Aufgelockert wird der Text durch großformatigen rot gedruckte Hervorhebungen wichtiger Aussagen und durch verschiedene Kästen mit Erklärungen, die zum Teil von deutschen Autoren hinzugefügt wurden (allerdings Rot auf dunkelgrau gedruckt nicht gut lesbar). Jedes Kapitel enthält am Schluss Gesprächsfragen zur Vertiefung.

Was der Rezensent in der Darstellung etwas vermisst hat, ist die persönliche Beziehung zu Gott als Grundlage und Kraftquelle für alles andere. Aber es ist zu vermuten, dass der Autor das voraussetzt, denn in seinem Buch über das Gebet gibt er diesem Aspekt viel Raum.

Insgesamt ein sehr wichtiges und praktisches Werk für jeden, der überlegt, wie er seinem Missionsauftrag persönlich und mit der Gemeinde oder auch als Gemeindegründer gerecht werden kann, ein Buch, das nicht nur Methoden zeigen will, sondern immer wieder auf die Heilige Schrift als Grundlage aller unserer missionarischen Arbeit zurückgeht.

 

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