Ein Paradigmenwechsel in der evangelikalen Debatte

von Írisz Sipos

Zu Martin Grabes Buch Homosexualität und christlicher Glaube: ein Beziehungsdrama. Francke : Marburg 2020

Mit dem Buch Homosexualität und christlicher Glaube: ein Beziehungsdrama hat Dr. med. Martin Grabe der sexualethischen Debatte, die auch in deutschen evangelikalen Kreisen seit Jahren geführt wird, eine zwar absehbare, in der deutlichen Positionierung jedoch neue Wendung gegeben. Grabes Plädoyer: „Homosexuelle Christen dürfen ebenso wie heterosexuelle Christen eine verbindliche, treue Ehe unter dem Segen Gottes und der Gemeinde eingehen und sind in der Gemeinde in jeder Hinsicht willkommen.“ 1 Mit seinem „Vorschlag für eine Einigung“ setzt er sich dezidiert von bisherigen Stellungnahmen der in der Evangelischen Allianz Deutschland (EAD) organisierten Gemeinden, Verbänden und Kirchen ab.2 Diese verpflichten sich zum vorbehaltlos wertschätzenden,geschwisterlichen Umgang mit gleichgeschlechtlich orientierten Gemeindegliedern: Kein Betroffener in und außerhalb der Gemeinde darf (vor-)verurteilt, zurückgewiesen oder diskreditiert werden. Die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft kann nicht an die Bedingung geknüpft werden, die sexuelle Orientierung zu verleugnen, zu verdrängen oder zu verändern. Allerdings gilt das Ausleben der Homosexualität, auch in verbindlicher Partnerschaft, weiterhin als unvereinbar mit einer biblisch fundierten Sexualethik. Folglich bleibt die Ehe als eine von Gott gestiftete Institution dem Lebensbund von Mann und Frau vorbehalten.3

Das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG) hat die Abfassung dieser Stellungnahmen beratend begleitet und mitgetragen. Auch deswegen ist es uns ein Anliegen, Martin Grabes Buch, seine Aufnahme und sein Echo im weiteren Kontext der sexualethischen Auseinandersetzungen und Herausforderungen im kirchlichen und säkularen Raum einzuordnen und zu kommentieren.

 

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